So, 22.02.2026
Hier erkläre ich mal etwas zur Murnau-Stiftung, zum Film und zur Kirche. Es geht um Bobby-Spulen, Tonspur und verschiedene Filmvarianten – natürlich auch um die Murnau-Stiftung, ein wenig Hintergrundwissen und sogar Goethe ist dabei...
Ein Filmabend mit echten Filmprojektoren, es knattert und surrt dazu. Die Begleitung ist eine ganz ungewöhnliche Orgelimprovisation.
Stummfilm ist eine eigene und wirklich außergewöhnliche Welt! Da kann man schnell eintauchen. Der Sound wird poetisch und teilweise gigantisch sein – und die Orgel gibt es in dieser Form nur einmal, nur in dieser Aufführung.
Worum geht es?
Goethes Faust, Teil 1.
Ja, das kennen viele noch aus der Schule – nicht immer die schönste Erinnerung.
Heute geht es jedoch nicht um den „schnöden Text“, den man aus dem Unterricht kennt, sondern um Bilderfülle! Murnau löst den Zuschauer vom reinen Goethe-Text und stellt dagegen Bilder, die sich tief ins Unbewusste eingraben.
Zunächst sehen wir Faust, wie er Pestkranke heilt – Wunder über Wunder.
Erst nach 22 Minuten taucht Mephistopheles zum ersten Mal auf: nicht als klassischer Böser, der „Geist, der stets verneint“, sondern als schlichter Bauerntölpel, der Faust Vertrauen einflößt, um ihn umso sicherer an sich zu binden.
Jannings spielt das fast clownesk, manchmal sogar unheimlich.
Dann setzt Mephisto die schwarze Kappe auf – unter seinem Mantel breitet er sich über das kleine Städtchen aus. Wundervoll fotografiert von Carl Hoffmann, der in der fast neunmonatigen Drehzeit jede Möglichkeit nutzte, um das Fantastische, das Übernatürliche, das Bedrohliche dieser deutschen Sage sichtbar zu machen.
Erst mit Gretchens Erscheinung wird der Film ruhiger, zarter – und es geht um Liebe.
Mephisto nun mit langer Hahnenfeder am Hut, ein listiger Unruhestifter, der Faust umschmeichelt und verführt.
Gretchen zu Faust: „Es tut mir lang schon weh, dass ich dich in der Gesellschaft seh’.” (Ganz lässt sich Goethe eben nicht verdrängen.)
Camilla Horn als Gretchen ist von fast überirdischer Anmut. Hoffmann setzt sie mit Licht und Schatten so perfekt in Szene, dass ihre Schönheit nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich leuchtet.
Alleine die Szene in der Kirche, Gretchen andächtig zwischen den Menschen – zart, still, berührend.
Großartig Yvette Guilbert als Marthe – ihr Spiel, ihr Flirten mit Mephisto, das Kitzeln mit der Feder, die Sinnlichkeit in jeder kleinen Geste.
Und das letzte Wort im Film?
Das verrate ich nicht. Aber es ist poetisch.
(Lesen lohnt sich übrigens wieder – Teil 2 wurde nie verfilmt.)
Der Film ist vielleicht weniger stringent als „Der letzte Mann“ – doch seine Magie liegt in den Bildern, in die Murnau uns hineinzieht, und im Spiel des hinreißenden Emil Jannings.
Vorher gibt es eine Einführung in einem separaten Event.
Die Vorführung dauert etwa 90 Minuten mit Pause. In der Pause gibt es die beliebten Schinkenhörnchen und andere Stärkungen – liebevoll gemacht und nicht teuer. Sekt, Wein und Würstchen gibt es auch. Es wird sicher wieder voll.
Stummfilmabend Faust mit Live-Orgel – exklusiv im Freizeitclub!
Erlebe Murnaus Meisterwerk auf echten Filmprojektoren, mit sichtbarer Filmstruktur, knatternden Spulen und einzigartiger Orgelimprovisation. Ein Abend voller Kultur, Atmosphäre, Begegnung und Austausch.
Ideal für Neumitglieder – komm vorbei, lerne uns kennen & werde Teil unseres Freizeitclubs!